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Cocceius Ventus und seine Frau Julia Drucken E-Mail
Geschrieben von Evelyn Maurer   
Mittwoch, 18. Juli 2007

 
Zu seiner Hochzeit mit der schönen Julia kaufte der Geschäftsmann Cocceius Ventus ein Wohn- und Geschäftshaus in der Insula, dem Häuserblock, am Nordtor der neu ernannten Colonia Ulpia Traiana. Das Gebäude war der Höhe der umgebenden angepaßt und die Bürgersteige waren überdacht. Hinter dem Haus lag ein kleiner Garten in dem ein paar Hühner ihre Eier legten und eine Kopie eines Springbrunnen aus Rom plätscherte. Cocceius Ventus und seine junge Frau trafen die Vereinbarung, sie als gelernte Näherin, kümmere sich um das kleine Bekleidungsgeschäft, den Haushalt und den Garten. Er sollte sich um den Handel und um die Schlachtung des Vieh's kümmern.

Einige Jahre zogen durch das Römische Reich und der Wohlstand der Ventus stieg. Julia verlangte ein Haussklavin, die ihr einige Arbeit abnahm, doch Cocceius meinte sie habe das alleine zu schaffen. Dem war aber nicht so. Vor Sonneaufgang versorgte sie das Getier, sammelte die Eier ein und backte Brot. Danach nähte sie Tuniken, Togas und edele Stolas für die feinen Damen. Den Tag über stand sie im Laden und verkaufte die Kleidung, abends erwartete Cocceius ein ansehnliches Mahl, das lange Zeit in Anspruch nahm. Nach dem Essen, wenn sich Cocceius schon zur Ruhe begeben hatte, mit Freunden in der Taberna saß oder sehr selten an seinen Geschäftsbüchern arbeitete, putzte sie das Haus und pflegte im Schein der Öllampe den Garten.

Cocceius und seine Frau Julia stritten manchmal und er ging auf längere Geschäftsreisen. Einmal schlachtete Cocceius zum Festtag kein Tier mit der Begründung, es sei zu mager. Er warf seiner Frau vor, ihre Aufgaben nicht zu erfüllen, ja das Vieh abmagern zu lassen. Wenig später unternahm er eine Handelsreise in die ferne Provinz Ägypten. Von dort erreichte Julia die Nachricht ihr Mann seie erkrankt und es dauere länger als geplant bis er heimkehre.

Als Julia von der Rückkehr ihres Gatten erfuhr, freute sich, ihn endlich wieder in die Arme schließen zu können. Sie wollte es ihm zuhause so angenehm wie möglich machen. So bereitete sie ein großes Essen. Als Gustum bereitete sie Datteln mit Ziegenkäse, Oliven und Käse. Für die Prima Mensa schlachtete sie selbst ein Huhn. Im gemauerten Ofen mit offenem Feuer garte sie das Huhn in einem Tontopf und würzte es mit Korriander, Bohnenkraut und Porree aus dem Garten, Asa fötida, das so widerlich stank, aber eine exquisite Geschmacksnote gab, Öl, Wein und Liquamen. Zur Sekunda Mensa bereitete sie überbackenes Birnenmus. Und zu guter letzt begab sie sich in den Keller, stellte die Öllampe in der dafür vorgesehenen Niesche ab, und füllte Wein aus dem im Boden eingelassenen Krug in einen kleineren, um ihn zum Mahl zu servieren.

Cocceius betrat das Triclinium und sah auf dem gedeckten Tisch den Weinkrug. Mit den zornigen Worten, er habe in den letzten Wochen mehr als genug Wein getrunken, verließ er das Haus, um in der Taberna mit Freunden zu speisen. Julia war wie gelähmt.

Wieder zur Besinnung gekommen, nahm sie ihre Kleider und die wenigen Schmuckstücke. Sie wollte gerade das Haus verlassen, da sah sie Aurelian Tullius Pius auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig. Mit unglaublichen 97 Jahren war er der Älteste Mann, den die Siedlung je gesehen hatte. Der fast blinde, von der öffentlichen Wohlfahrt lebende, war der Sohn von Gaius Modestus Pius und Messalia Nerva. Die Geschichte war Julia schon oft erzählt worden. Sie rief den freigelassenen Sklaven zu sich und gab ihm den Auftrag zur Taberna zu gehen und Cocceius Ventus auszurichten, daß ihn seine Frau verlassen habe. Als Dank für den Botengang gab sie ihm das ganze Abendmahl, daß er, wie sie wußte, mit anderen Bedürftigen teilen würde.

Die Tage vergingen und Julia lebte wieder im Haus ihrer Eltern am anderen Ende der Stadt. Eines Tages traf sie wieder den alten Aurelian Tullius Pius. Und jener war es, der ihr väterlich erzählte, daß Cocceius Ventus mit seinen Freunden glücklich anstieß, als er an jenem Abend die Botschaft übermittelt hatte. Er habe weiter mit ihr zusammengelebt, um sich den vorwurfsvollen Blicken der Bürger der Stadt zu entziehen und außerdem seie sie ja eine erträgliche Hausfrau gewesen. So wäre nun die moralische Schmach ja auf ihrer Seite. In jenem Moment durchfuhr der Ruf nach Rache Julias Herz. Sie war fünf Jahre mit einem Mann zusammen gewesen, der sie oft wie eine Sklavin behandelt hatte und der zu feige war, ihr die Wahrheit zu sagen!

Sie ging zum Haus des Cocceius Ventus, der gerade eine festliche Tunika mit Toga einem Kunden verkaufte. Julia zog das Schwert, das sie dem Aurelian abgekauft hatte, unter ihrem Gewand hervor und stach Cocceius mitten ins Herz. Der schrie mit geweiteten Augen auf und sank langsam zusammen. Der Käufer überwältigte die sich nicht mehr wehrende Frau und schließlich wurde sie dem Stadthalter vorgeführt.

Die Geschichte sprach sich schnell herum und so kamen alle Bürger der Colonia Ulpia Traiana zu den Gladiatorenkämpfen am Sonntag, in dessen Zwischenpause Julia den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden sollte.

Sechs Wachen zerrten sie durch die engen Gänge des Amphitheaters, in die nur durch vereinzelte Öffnungen Licht fiel. Julia bereute ihre Tat nicht. Auch wenn sie von einer Meute ausgehungerter Hunde zerrissen werden würde. Als sie an die Öffnung zur Arena kamen, hörte sie die Menge rundherum toben und jubeln. Sie bedrückte der Gedanke, daß einige davon mal ihre Freunde gewesen waren. Wie sie die Sonne nicht mehr blendete, sah sie die schwarzen Hunde auf sie zukommen, sie rannte und fiel in den Sand. Dann färbte dieser sich rot.

Die Jubelschreie drangen an die Ohren Aurelians, der im Tempel der Matronen betete. Es war ein heiliger Ort für seine Mutter, eine Germanin gewesen. Hier fühlte er sich in Gegenwart der Stammes- und Fruchtbarkeitsgöttinnen wohl. Durch das Schwert seines feigen Vaters war ein anderer Feigling getötet worden. Der Kreis hatte sich geschlossen und sein Herz kam zur Ruhe.

Am nächsten Tag fand man den Alten kalt und starr vor dem Altar liegend.

 


 

 

 
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