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Einen Nebenarm des großen Flusses hatten sich die Römer als Hafen hergerichtet um das Legionslager Castra Vetera mit Gütern versorgen zu können. Das ging schneller, war sicherer als der Landweg und kostete weniger. Nach 20jährigem Bestehen des Lagers hatte sich eine Canabae gebildet, eine Lagervorstadt, eine Siedlung, in der Einheimische – die Germanen - und Römer zusammen lebten. An einem lauen Herbstabend ging die junge Germanin Messalia Nerva, vom Stamme der Cugerner spazieren. Ihr Weg führte sie am großen Fluß vorbei. Ein Schiff der militärischen Rhinusflotte vor Anker gegangen. Die junge Germanin sah Legionäre Kisten auf einen Wagen verladen. Einer der Männer sah zu ihr herüber. Er war kräftig, muskelös, aber von schlanker Statur. Sein dunkles Haar fiel schweißgetränkt in sein maskulines Gesicht. Die junge Germanin lächelte ihn an. Er lächelte zurück und wandte sich ab um weitere Kisten vom Versorgungsschiff zu holen. Es ward nur ein Blick gewesen, doch dieser reichte um Nacht für Nacht den gutaussehenden Legionär in den Träumen von Messalia Nerva erscheinen zu lassen. Tage später traf sie ihn am Fluß wieder. Messalia war gerade dabei zwei Krüge mit Wasser zu füllen, als hinter ihr plötzlich der Mann ihrer Träume stand. Er sprach sie an und fragte ob er ihr beim Tragen helfen könne. So kamen sie ins Gespräch. Sie unterhielten sich lange über römischen Luxus und einfache germanische Lebensweise, über Götter und Feierlichkeiten, über Wünsche und Hoffnungen. Erst als die Sonne hinter den Wäldern versank, trennten sich ihre Wege. Doch Messalia hatte Gaius Modestus Pius, so hieß der gutaussehende Römer, zum Opferfest der Matronen eingeladen. Zum Fest kamen viele Sippen der umliegenden Gehöfte. Es war eine große Versammlung, die sich auf einer ebenen Fläche am Ufer des Rhinus trafen. Es wurden Feuer entzündet, Opfertiere vorbereitet und man hatte Met mitgebracht. Den süßen Honigwein trank man nur zu ganz besonderen Anlässen. Messalia und ihre Familie hatten ein Huhn als Gabe an die Muttergottheit ihrer Sippe mitgebracht. Andere brachten einen Kübel mit Wasser in dem Fische schwammen, wieder eine andere Gemeinschaft hatte ein Schwein auf der Wiese mit einem kurzen Tau angepflockt. Es war ein fröhliches Treiben, Kinder spielten fangen, Frauen sangen die alten überlieferten Lieder ihrer Vorfahren, während die Männer in Gruppen zusammen standen und diskutierten. Über die Jagd, über Handel, über die Römer und ihr Militär. Manche Menschen der weiteren ländlichen Umgebung redeten schlecht über die Soldaten des Lagers, welches einen Machtposten der Rechtsrheinischen Besetzung durch das Römische Imperium darstellte. Ihr Kaiser Augustus betrachtete Germanien bis weithin zur Elbe als römische Provinz, die Abgaben zu zahlen hatte, in der man Straßen und Legionslager bauen durfte. Seit Jahren zogen ihre Heere aus um germanische Stämme zu unterwerfen. Sich von Fremden beherrschen zu lassen war keine Tugend der Germanen. Doch es gab auch Vorteile. Die Römer brachten Luxus, Technik und Bildung ins Land. Sie hatten Orte, wo Kinder verschiedener Herkunft zusammen in Lesen und Schreiben unterwiesen wurden. Die germanischen Völker hatten zwar auch eine Schrift, doch schrieben sie keine Handelsverträge auf Schreibtäfelchen oder gar Papyrus. Tauschhandel wurde bei den Germanen mit einem Handschlag besiegelt. Auch verfügten die aus dem Süden kommenden Römer über Wissen von Mathematik und man erzählte, sie bauten Häuser aus Stein. Eine Gruppe von Legionären näherte sich der Menscheschar. Doch die plötzliche Aufrur löste sich schnell, als die ersten sahen, daß die Männer unbewaffnet kamen. Unter ihnen war auch Gaius Modestus Pius. Messalia umarmte ihn zur Begrüßung. Sie trug ein wallendes langes Kleid, Blumen und Korn steckten in ihrem langen Haar, ihr Haupt zierte ein Kranz aus grünem Buschwerk. Nach der Zeremonie und den Opferdarbietungen wurden Becher - und bei den Wohlhabenderen die Trinkhörner - mit Met gefüllt. Messalias Vater war diesem sehr zugetan und wollte von Gaius wissen, was er über die große Schlacht berichten konnte. „Ich war dabei gewesen!“ entgegnete der für römische Verhältnisse hochgewachsene Legionär. Neugierig drängten sich die Männer und Weiber um ihn. Alle Augen waren nun auf ihn gerichtet. Er nahm einen tiefen Schluck aus dem Trinkhorn, welches er bei einem Händler kürzlich erstanden hatte und sah in die Runde. Jeder hier wußte um die große Schlacht. Im Spätsommer 9 n. Chr. Geschah etwas, was in Roma niemand für möglich gehalten hatte. „Ich bin Gaius Modestus Pius, Legionär der 18. Legion. Einer der wenigen Überlebenden!“ Immer mehr Menschen drängten sich zu dem römischen Soldaten. „Es war dieses Jahr im Spätsommer. Wir waren unterwegs von den Sommerresidenzen an der Weser zurück zur Lippe. Wir, das heißt die Elitetruppen Romas, die 17., 18. und 19. Legion. Begleitet wurden wir von 3 Reitgeschwader, 6 Kohorten Germanischer Hilfstruppen, und einem Troß aus Handwerkern, Sklaven und Frauen. Der Zug mag 30 km lang gewesen sein.“ Man bot Gaius an, auf einen Karren zu steigen um besser zu hören zu sein. Von seiner erhöhten Position aus sprach er zum Volke und fühlte sich fast wie ein Senator in Rom. "Ich war gerade dabei gegen meinen treuen Freund Livius im Ludus Latrunculorum zu gewinnen. Da bäumte sich das Lager in Aufrur. Wie wir erfuhren, hatte ein Bote des Arminius dem obersten Legatus Legionis Publius Quintilus Varus von einem aufständischen Cheruskerstamm berichtet. Der Stadthalter Germaniens, Publius Quinctilius Varus, entschied den geringen Umweg in Kauf zu nehmen um den Aufstand im Keime zu ersticken." "Es gab zu der Zeit Gerüchte, Segestes, der Schwiegervater des Arminius, wolle Varus vor der Hinterhältigkeit des Arminius warnen. Wahrscheinlich stimmte das, aber Varus vertraute dem germanischen Hilfstruppenführer blind. Noch glaubte niemand, daß der römische Bürger im Rang eines Ritters Ehre- und Treieeid brechen und Verrat begehen würde." Messalias Vater schenkte dem Redner Met nach. Gaius trank genüßlich. "Lange vor Sonnenaufgang weckte uns der Cornicen mit seinem Horn. Wir frühstückten wie jeden Tag selbstgebackenes Brot, dazu tranken wir frisches Quellwasser. Das erste Hornsignal war das Zeichen zum Abbau der Zelte, beim zweiten Hornsignal bepackten wir die Maultiere und brannten das Lager ab. Die lodernden Flammen verschmolzen an jenem Tag wie ein böses Omen mit der aufgehenden Sonne. Das dritte Hornsignal bedeutete den Abmarsch. Voran ging das leichte Fußvolk mit Äxten, um den Weg frei zu machen, ihnen folgten Reiter, dann die drei Legionen, hinter ihnen der Troß mit Versorgungsgütern, Handwerkern, eben nicht kämpfendem Volk, die Nachhut bildeten die Hilfstruppen und deren Reiter." Gaius machte eine Pause und lächelte Messalia zu. "Es ward früher Nachmittag. Die Kommandanten ritten an die Spitze des Zuges und hielten nach einem Lagerplatz Ausschau. Unser Centurio, Marcus Caelius, munkelte, er wolle noch vor dem Bergausläufer des Saltus Teutoburgiensis lagern, der den Pfad auf 1000 m begrenzen würde. Doch die drei Legionskommandanten und Oberbefehlshaber Varus entscheiden erst hinter dem Engpass zu lagern." "Es ward mittlerweile später Nachmittag geworden, unsere 20 km Tagesmarsch hatten wir gewiss zurückgelegt. Nebel verdeckte die Baumwipfel, es war feucht-kalt und der Regen machte uns das Weiterkommen schwer. Barfuß, nur mit Ledersandalen bekleidet, wie es sich für echte Legionäre gehörte, kämpften wir uns durch dieses unwegsame und schlammige Gelände. Rechtes lag das Moor und links ragten Felsen auf. " Erst nach einem weiteren Schluck Met sprach er weiter. "Durch den Nebel hörten wir plötzlich hinter uns anschwellendes, ungewohnliches Lärmen. Es klang wie Schreie und als ob Schwerter auf Schilde krachten. Ein Raunen ging durch unsere Reihen. Plötzlich erhielt unsere Legion Nachricht, ein Spähtrupp der 19. Legion, die hinter uns marschierte, würde sich zurückfallen lassen, um nachzusehen, was am Ende des Zuges vor sich ging. Kaum war die Nachricht bei uns angekommen, kamen von vorne eindeutig Schreie und Geräusche wie man es von Schlachtgetümmel kennt. Doch noch bevor sich die 17. Legion hätte etwas unternehmen können, kam diese zum Stillstand. Wir wußten noch nicht, was dort geschah." "Auf vorgelagerten Hügeln der Bergausläufer, recht und links unseres Weges, tauchten schwer bewaffnete Germanen auf, die meisten mit römischen Schwertern und Schilden ausgerüstet." Jubeln kam vereinzelt aus der Menge. "Es wurden immer mehr und mehr. Und uns wurde klar, daß wir in einen Hinterhalt geraten waren, aus dem es kein Entrinnen gab. Es blieb nur der Kampf. Mann gegen Mann!" Laute Jubelschreie ging durch die Menge und ein Tost auf Gaius den Helden wurde gemeinschaftlich ausgesprochen. "Dies erwies sich aber nicht als leicht, da die Cherusker und ihre Verbündeten, die Brukterer, Marser und Chatten, ähnlich wie Römische Legionäre aussahen und in der Dunkelheit nicht zu unterscheiden waren. Zudem waren wir erschöpft vom Tagesmarsch und die Gegner sichtlich ausgeruht." "Während der Nacht peitschten Stürme und Regen. Selbst die Germanen wollten eine Pause machen. Wir hatten zwar einige Verluste zu beklagen, doch wir waren sicher, den Feind am nächsten Tag zurückzuschlagen, ja zu vernichten. Der oberste legatus legionis ließen doppelt soviele Wachen aufstellen, wie in einer normalen Nacht in Kampfbereitschaft. " "Am nächsten Tag schlugen sich Teile unserer Hilfstruppen, die aus germanischen Stämmen zusammengesetzt waren, auf die Seite der Angreifer und diese schienen noch Verstärkung von wilden Stämmen erhalten zu haben. Diese waren zwar schlechter ausgerüstet, aber umso kampflustiger. Es war ein endloses Gemetzel im grausamsten Unwetter, was ich je erlebt habe. Die dort ansässigen Germanen kannten die Witterung und waren abgehärtet. Wir hatten von Anfang an keine Chance. Nicht einmal unsere Toten konnten wir begraben, da es uns die letzeten Kräfte gekostet hätte. So mußten ihre leblosen Körper neben den Überresten der Feinde liegen. Es war ein schwerer, ja aussichtsloser Kampf, bei dem es mir so vorkam, als kämpfe jeder gegen jeden." "Der zweite Tag ward kaum mehr ein Tag, Sturzregen ließ den Himmel nicht hell werden. Wer von uns nicht durch Germanenhand starb, den zog das Moor mitsamt der schweren Rüstung in die Tiefe. Das Schlachtfeld hatte sich vergrößert, wir schafften es, den Engpass zu durchdringen. Ein Teil folgte dem nördlichen Weg, der andere, darunter ich, folgte dem südlichen Weg. Varus hatte vergebens einen Boten ausgesandt, Unterstützung zu holen, doch der Mann wurde wenige Meter vor mir mit einem Speer vom Pferde gestoßen. Ich tötete jenen Wilden mit zotteligem Haar und langem Bart. Noch mit der von mir zugefügten Schwertwunde im Herzen trachtete er mir nach dem Leben." Gaius erwartete Jubeln, aber die Menschen ringsum schwiegen. Er trank einen weiteren Schluck Met aus seinem Horn. "Der geschrumpfte Rest unserer Legionen hob für das Nachtlager niedrige Wälle und kaum wahr zu nehmende Gräben aus. Wir stellten unsere Zelte auf, die für diese Witterung nicht recht geschaffen waren. Wir hatten nicht einmal die Möglichkeit Essen zu machen. Das Mehl wurde vom Mahlstein geschwemmt und ein Feuer konnten wir ebenfalls nicht entfachen. Frierend versuchten wir ein wenig Schlaf zu finden. In dieser Nacht hörten wir immer wieder die Schreie der Verletzten im Lager. Und niemand glaubte jetzt mehr an einen Sieg." Gaius Modestus Pius streckte seine Hand empor. “Seht her, dies ist meine Kampfverletzung!” Man hatte ihm den Ringfinger der linken Hand abgehackt. Gröhlendes Gelächter folgte. Nur ein Geischt in der Menge schien sich nicht über seine kleine Verletzung lächerlich zu machen; Messalia. Gaius sprach schnell weiter um das Gelächter zu bezwingen. "Am dritten Tage waren unsere Legionen vernichtend geschlagen, die am Leben Gebliebenen kämpften trotzdem weiter. Unser Legionsadler war am frühen Morgen den Aufständischen in die Hände gefallen. Überall lagen Tote und Verletzte herum. Einen solchen Anblick kann man nie vergessen, geschweigedenn beschreiben." Gaius trank gierig den frischen Met, den Messalias Vater im eingoß. "Gegen mittag entleibte sich Publius Quinctilius Varus selbst mit seinem Schwert, weil er zu feige war, im Kampf zu sterben. Die verbliebenen Offiziere folgten ihm. Danach hatten die Germanen größeres Interesse an Varus' Leichnahm, als an den Überlebenden. Zu Fuß machten sich Einzelne und kleine Grüppchen auf den Weg nach Castra Vetera. Wohl weniger als die Hälfte überlebte diesen Marsch, denn, wer nicht seinen Verletzungen erlag, mußte sich in Acht nehmen vor Germanen, die überall in den Wäldern lauerten, jeden Römer, sei er Kaufmann oder Soldat, zu töten." Wieder ging ein Raunen durch die Menge. Gaius stieg vom Wagen und trank ein ganzes Horn mit Met leer. Die Menge zerstreute sich wieder. Gaius war mittlerweile zu betrunken um sich darüber klar zu sein, daß er die Schlacht aus römischer Sicht geschildert hatte – vor Germanen. Denn wenn die Cugerner auch die römische Lebensweise angenommen hatten, so waren sie doch Stammesbrüder der Sieger. Messalia kam zu ihm und schmiegte ihren zarten Körper an ihn. Den Rest des Abends sah man sie am Feuer dicht beisammen sitzen. Sie teilten das Lager in jener Nacht – und in den darauffolgenden ebenso. Wenige Wochen später erzählte Gaius Messalia, er sei aus der Armee ausgetreten und habe vom Kaiser Land bei der Canabae als Ehrung geschenkt bekommen. So sprach er bei Messalias Vater vor um sie zu heiraten. Er wehrte sich nicht seiner Tochter den großen Traum zu erfüllen und stimmte zu. Messalia und Gaius bauten sich in der Lagervorstadt ein Holzhaus nach römischer Art, mit Fenstern aus Glas. Messalia gebar einen Sohn namens Aurelian Tullius Pius und die kleine Familie lebte glücklich zusammen, bis im darauffolgenden Winter Gaius dem Fieber erlag. Um ihren Gemahl in ehrwürdiger römischer Tradition zu bestatten, bat Messalia einen guten Freund von Gaius um Hilfe. Gaius Modestus Pius und Livius Magnus Minor kannten sich schon ewig. Er jedoch versuchte Messalia eine römische Bestattung auszureden. Bis sie ihn wütend nach dem Grund fragte. Zögerlich begann Livius zu erzählen: "Ich kenne Gaius schon aus Kindertagen, wir gingen zusammen in die Militärschule und trafen uns in der 18. Legion wieder. Glaube mir, er spielte nur den Helden. Bei der großen Schlacht hat er sich in der zweiten Nacht davongestohlen und einem toten Germanen die Kleidung ausgezogen, um sich selbst damit zu tarnen. Dann hat er sich wohl versteckt und die Schlacht beobachtet. Als er hinterher zu uns Heimkehrenden stieß, trug er immer noch germanische Kleidung, angeblich, weil seine eigene von Blut und Löchern übersät gewesen war. Tätsächlich hatte er aber nur eine verletzte Hand. Außerdem hat er gesagt, er sei barfuß in den Sandalen gelaufen." Livius lachte. "Er war einer der ersten, die darauf kamen, die Sandalen auszupolstern. Sei es Fell gewesen oder Stroh, aber nur in Ledersandalen ging er nicht mehr, sobald es ein wenig kühler wurde. Er war in Gedanken meist daheim im fernen Ravenna, wo der Oleander blühte und seinen süßlichen Duft verbreitete und den ganzen Tag die Sonne brannte." Messalia überlegte, was daran so falsch gewesen war, sich ebenso wie Germanen zu kleiden. Sie verachtete Livius in jenem Moment für seine Aussagen. “Er hat Dir erzählt, Kaiser Augustus hätte ihn mit einem Stück Land hier belohnt und er sei wegen Dir aus der Armee ausgetreten. “ Wieder lachte Livius, diesmal mit bitterer Mine. “Er wurde aus der Armee geschmissen und verbannt! Kaiser Augustus hat angeordnet, keinen der wenigen Überlebenden jemals wieder römischen Boden betreten zu lassen. Man munkelt gar, er habe immer wieder den Kopf gegen die Wand gehauen und dabei gerufen: "Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!" Messalia sah ihn mit großen Augen an. Den Gedanken, daß Gaius zu ihr nicht aufrichtig gewesen war, konnte sie nicht fasssen. Schweigend saß sie da. Später fiel ihr ein, Gaius hatte einmal behauptet, es seien 30.000 Germanen bei der Schlacht umgekommen. Arminius, der Anführer des Aufstandes hatte berichtet, es seinen nur 2000 Tote auf seiner Seite zu beklagen gewesen. Aber wem konnte man in diesem politischen Spiel schon trauen? Doch Messalia fand mit der Zeit immer weitere Anhaltspunkte, daß Gaius nicht immer die Wahrheit gesprochen hatte. Doch je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr zweifelte sie daran, daß überhaupt auch nur ein Wort aus seinem Munde wahr gewesen war. Auf einem Holzstapel aufgebahrt lag Gaius’ lebloser Körper dar. Friedlich, als würde er schlafen. In Germanengewand mit Schwert und Schild, bereit für das Leben im Jenseits. Männer mit Fackeln entzündeten das Gehölz. Flammen loderten auf. Messalia stand starr da und sah durch die Tränen zu, wie die Flammen den Leichnahm verzehrten. Sie drückte den kleinen Aurelian fest an sich. Und bat die Muttergöttin ihrer Sippe um Vergebung für Gaius. Es war ihr, als verfliege mit dem Rauch sein Ruf als Held der großen Schlacht. Er war ein Feigling gewesen, doch er hatte sie geliebt. Davon war sie überzeugt. Und was auch geschehen war, was auch immer böse Zungen sprachen, sie hatte ihn geliebt und liebte ihn bis in alle Ewigkeit.
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