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Ist ja seltsam! Ein zweiter Mensch in meiner bescheidenen Hütte! Seltenes Bild. Meine Freundin ist von weit her angereist um mich mal zu besuchen. Ich hatte gerade den Wasserkessel für zwei Tees aufgesetzt, da gab es ein komisches Geräusch - ihr Handy klingelte. Meine Freundin fluchte. Ob es denn hier keinen Empfang gäbe. Ich zuckte nur mit den Schultern. Empfang? Ich empfange lediglich die Hasen in der Falle. Dann fragte sie mich regelrecht panisch, wo denn eine Steckdose sei. Ihr Handy müsse aufgeladen werden. „Eine Steckdose?“ fragte ich. „Ja, das Ding mit den zwei Löchern nebeneinander drin.“ Hm, vielleicht meint sie den Termitenhügel einen Kilometer von hier? Oder Hundi's Schnauze? Nachdem meine Freundin erkannt hatte, daß ich hier nur einen Strom kannte - nämlich den Strom des Flußes – wollte sie sich im Bad zurecht machen und rannte raus. Ich kam nicht mehr dazu, ihr zu sagen, daß das Herzchenhäuschen nur das Klo war. Minuten später kam sie zurück und fragte wo sie sich waschen konnte. Ich stellte ihr meine gute alte Emailleschüssel und den Krug mit kaltem Wasser auf den Tisch. Dazu reichte ich ihr den Kessel mit heißem Wasser und goß vorher unsere Tassen voll. Sie sah mich fragend an. „Was zahlst Du denn für Deinen Wasserverbrauch hier?“ Ich schaute sie verständnislos an. „Wie hoch ist Deine Wasserrechnung hier?“ - „Wasserrechnung? Hm, ich zahle hier höchstens in Fischfutter. Also die Eingeweide der Tiere, die ich ausnehme.“ Meine Freundin sah mich angewidert an und begann sich das Gesicht mit Wasser zu benetzen. Ich reichte ihr mein bestes Handtuch. Ihren zweifelnden Blick beim Anblick der geflickten Löcher übersah ich kurzerhand. Sie habe ihr Make Up zuhause vergessen, ob ich denn noch Schminkzeug hätte. Ja... nur wo? Es war einmal ein Koffer.... ein silberner.... in der Vorratskammer, in dem halb zerfledderten Karton, da könnte der Schminkkoffer sein. Ich machte mich auf die Suche. Erwartungsvoll öffnete meine Freundin den staubigen Koffer. Das Make Up war in der Tube festgetrocknet, der Lippenstift eignete sich vielleicht noch als Klebestift. „Schminkst Du Dich hier nicht?“ - „Wofür?“ So langsam platzte mir der Kragen. „Der Bär frißt mich auch ohne Schminke!“ antworte ich. Und meiner Freundin stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Nichts desto trotz zog sie sich ihren Lidstrich nach und tuschte die Wimpern. Hundi kam mit Beute im Maul zur Tür herein. Als meine Freundin ihn erblickte, war sie richtig erfreut und wollte ihn streicheln. Als sie dann aber sah, daß er sein Mittagessen mitgebracht hatte und das blutige Etwas auf den Boden fallen ließ, stieß sie einen spitzen Schrei aus und sank erstarrt auf den Stuhl zurück. Hm, was mag sie wohl denken, wenn ich morgen unseren Braten zubereite? Ob ich dem Hasen das Fell besser heimlich abziehe? Ich nahm die Teebeutel aus den Tassen. „Bei uns ist der Tee so teuer geworden. Überhaupt ist alles teuer geworden! Und erst das Gemüse!“ Ich verstand zwar, was sie sagte, doch eigentlich verstand ich nichts. Das Gemüse wächst in meinem kleinen Garten, ebenso wie die Pfefferminze, aus der ich normalerweise Tee braue. Dieser schwarze Tee ist aus dem einzigen Lebensmittelladen im Umkreis von 1000km. 2 Tage hin Paddeln oder 5 Tage Wandern - und zurück natürlich. Wegen der meist etwas größer geratenen Einkäufe meist die Paddelversion. Um in Ruhe draußen den Hasen zum Abendessen vorbereiten zu können, wollte ich meine Freundin beschäftigen. Ich bat sie, mir den Kohl klein zu schneiden um später ein schmackhaftes Gemüse zu machen und um das Sauerkrautfaß zu füllen. Sie fragte mich, wo denn meine Küchenmaschine wäre. Ich sagte „Hier!“ Und zeigte ihr meine Hand und ein langes scharfes Messer. „Ja, ich vergaß. Ich bin hier am Ende der Welt.“ lächelte sie. „Und eine Spülmaschine hast Du wohl auch nicht.“ - „Doch!“ antwortete ich – und zeigte auf meinen Hund. Dann ging ich nach draußen hinter das Haus um den Hasen vorzubereiten. Na das können ja noch heitere Tage werden! Doch man solle es nicht glauben, meine Freundin fand gar Gefallen daran, daß ihr Handy nicht mehr klingeln konnte. Den Umgang mit einem scharfen Messer konnte ich ihr während der paar Tage auch beibringen. Und ab dem dritten Tag vergaß sie sogar sich zu schminken. Auch bei ihrer Abreise war sie nicht geschminkt und ihr Handy war tief in der Reisetasche vergraben. Was wohl ihre Freunde dazu sagen werden, wenn sie sie am Flughafen abholen? Ob sie genauso sprachlos sind wie ich, als sie mich nach der Steckdose fragte?
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