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Wer einen Hund hat, der braucht keinen Wecker! Winseln stupst mich die feucht-kalte Schnauze an. Ich will mir die Decke wieder über den Kopf ziehen – so wie ich es immer tue – da bellt mein Hund mich leise an. Dieser Weckservice ist ja ganz nett, denke ich schlaftrunken und schiele auf die Uhr. Aber um 5 Uhr?? Da höre ich das Kratzen. Mein Hund steht unschlüssig vor der Türe. Mit einem Ruck bin ich hell wach und eile geduckt zum Fenster. An der Kiefer unweit meiner Hütte kratzt ein Bär. Ich geben meinem Hund ein Zeichen, er soll still sein. Der Bär ist mit dem Kiefernstamm beschäftigt, sieht mich nicht. Hundi legt sich mit einem leisen Jaulen auf den Boden. Aber sein Blick verrät, daß sein Jagdtrieb geweckt ist. ich schleiche mich leise zur Türe, schlüpfe in die Stiefel und greife das Gewehr. Patronen drin, durchgeladen, schußbereit. Der Bär führt unbeeindruckt seine Krallenmaniküre fort. Ich ziehe mir schnell noch 'nen Fleecepulli über und warte dann am Fenster. Hundi gibt keine Ruh', sein Schwanz wedelt unaufhörlich. Ich winke ihn zu mir auf die Sitzbank. Gemeinsam beobachten wir den ausgewachsenen Braunbären. Schönes Fell, ich könnte mir daraus einen Mantel nähen. Aber warum soll ich das stolze Tier töten? Ich kann ihn ja nicht mal alleine vom Fleck bewegen. Und mit dem Fleisch wohin? Davon kann ich mit Hundi ein jahr lang essen. Außerdem sind angeschossene Bären gefährlich. Als würde er in meinen Gedanken lesen, daß ich ihm nicht ans Fell will, dreht er sich um und schubbelt sich genüßlich den Rücken am Baum. Hm, warten. Gespannt verfolgen mein Hund und ich das Geschehen vor dem Fenster. Erst die Tatzen putzen, dann den Rücken kratzen. Hm, inspiriert mich selber mal wieder ein Bad zu nehmen. Den Ofen aufheizen, die Kessel alle mit Wasser füllen – und das erstmal vom Fluß hochschleppen – und dann schön mit Seife in die Blechwanne. Hundi hebt die Ohren. Ich sehe nichts – alles unverändert. Der Bär pflegt sich sein Gesicht mit einem herausragenden Ast. Ich schaue Hundi an, er lauscht still. Da bewegt sich zwei Kiefern weiter ein Zweig. Ein zweiter Bär! Ich fasse den Gewehrlauf fester. Kommt bitte nicht auf dumme Gedanken! ich habe keine Lust auf Schießerei! Als hätten sie mich gehört, hält der zweite Bär inne, der erste hockt sich wieder auf alle vier Tatzen, macht einen dicken Haufen und beide ziehen von dannen. Eine Weile noch bleiben Hundi und ich wachsam da. Aber die Bären scheinen weg zu sein. Kein Geräusch mehr. Hundi hopst von der Bank. Von der Anspannung gelöst, stelle ich das Gewehr wieder neben die Türe und sichere es. So, stellt sich die Frage; Was nun? Weiter schlafen? - Nee, danke. Dazu ist jetzt zu viel Adrenalin im Blut. OK, bereiten wir halt den Ofen vor. Legen Tasse und Kaffeeefilter bereit und ziehen uns an. Also um halb sechs morgens war ich auch noch nicht unterwegs um die fallen zu kontrollieren. Wie gut, eine Hundenase so fein ist. Er führt mich zielsicher von einer Falle zur nächsten. Wie sollte ich mir denn bei dem ganzen Gestrüpp merken, wo ich sie am Vortag aufgestellt habe? Hm, die heutige Ausbeute reicht für einige knusprige Bisamkeulchen. Und ein Paar Handschuhe und Fellsocken werde ich mir mal nähen. Zwei Ratten sind auch dabei, eine kriegt Hundi sofort, die andere nehmen wir mit als sein Mittagessen. Aber das kann er selber tragen, ich habe genug am Fallenkorb und Beutesack zu schleppen! Von einem Felsvorsprung aus sehen wir unten im Fluß einen Elch schwimmen. Das erinnert mich wieder an die Badeidee. Hm, ich werde wohl heute noch viele Male mit meiner Kraxe und dem 20l Wassersack den Weg vom Fluß hinauf erklimmen. Nach einem schnellen Kaffee und einem Stück Fladenbrot mit Honig, ging es an die beschwerliche Arbeit. Während mein Hund fröhlich durch die Gegend streunte. Am Nachmittag war es dann soweit. Die Blechwanne bis zum Rand mit wohlriechender Seifenlauge gefüllt, genoß ich den Luxus meines Bades. Mein Hund hatte dafür kein Verständnis. Nach kurzer Überlegung verschwand er für einige Minuten zur Tür hinaus und kehrte triefend naß wieder zurück. Er hatte die große kalte Badewanne benutzt – den Fluß.
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