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Mein Hund ist wieder eher wach als ich. Die Pfoten auf mein Bett gestützt, stupst mich die feucht-kalte Nase an. „Ja, aufstehen. Jaaa, ich habe verstanden.“ Ich setzte die Mütze auf, ziehe die Felljacke über und schlüpfe in die Stiefel. Der Hund ist gleich bei der Tür raus, ich trotte im Schlafanzugdress hinterher zum Herzchenhäuschen. Hm, werd' wohl erstmal den Ofen anschmeißen und 'nen Tee brauen, überlege ich mir so auf dem Balken sitzend. Ah, da fällt mir doch dunkel ahnend was ein; das Holz reicht gerade mal für den Tee. Hm..., na gut, dann erstmal Holzhacken! Auf dem Weg zur Hütte fluche ich schon, wie kühl das ist. Und beim Umziehen erst recht! Aber beim Holzhacken wird’s schon wieder warm werden! Ich schnappe mir die Axt an der Wand, da baumeln mir die Läufe vom Weihnachtsbraten ins Gesicht. Ein dicker fetter Hase hat sich zum Fest in die Falle gewagt. Bisamhäppchen und Lachssuppe runden das Festmahl heute ab. Sofern ich den Viechern heute noch das Fell über die Ohren ziehe! Ein herrlicher Morgen! Knackig kalt und Sonnenschein. Hm, mein Hund hat sich offensichtlich schon selber was zum Frühstück geholt. Kauend, an etwas kleinem zupfend und zerrend, liegt er vor der Bank am Haus. Ich ziehe die Handschuhe an und hacke einen Klotz nach dem anderen in handliche Stücke. Nach einer Stunde kehre ich im T-Shirt mit einem vollen Korb Holz wieder in die Hütte zurück. Hundi ist fertig mit Fressen und huscht an mir vorbei durch die Tür. Cleveres Kerlchen! Er weiß genau, was jetzt kommt und legt sich schon mal gleich neben den Ofen. Nach heißem Tee und einer Pfanne Ei mit Speck geht’s jetzt wieder raus. Das müde träge Fellpaket ist plötzlich hell wach, als ich mir den Hasen und die Bisams über den Rücken schmeiße. Einen besseren Abfallvernichter kann man kaum kriegen! Einige Stunden später sind die Felle im letzten Licht der Sonne gespannt und die Fleischhappen fein filitiert und sortiert – und mein Hund pappsatt! Zurück in der Hütte ist es herrlich warm. Ich krame in alten Kartons nach Weihnachtssachen. Ein paar Tannenzweige habe ich mir gestern abgeschnitten. Tannen stehen hier ja genug rum. Zwei rote Kerzen tauchen auf. Ein Engelchen, eine Glockenkette. Ach und der uralte Karton mit den gesammelten Kerzenresten. Werde wohl nachher all meine Tellerchen, Tassen und Schälchen die ich nicht für's Essen brauche, mit Kerzen gespickt in der Hütte verteilen. Und ein hübsches Gesteck auf den Tisch stellen. Ja, was sehen meine Augen? Eine Packung Dominosteine vom letzten Jahr – hatte Mama mir aus Deutschland geschickt. Aber da ich ja hier so oft Post bekomme, hatte ich das Paket erst im Mai auf dem Postamt in der Stadt abgeholt. Na, sie werden noch schmecken und sich vorzüglich als Nachtisch machen! Da fällt mir ein, ich hab ja auch noch 'ne Flasche Wein! Und irgendwo in meinem Besitz befindet sich auch ein Weinglas. Nur wo? Erstmal ist jetzt der Braten dran. Nachdem sich Kaninchenbrust und Bisamkeulchen im Bratentopf auf dem Ofen wiedergefunden hatten, machte ich mich ans Dekorieren. Und fotoreif von Spinnenweben und Staub verhangen, fand ich im Regal auch das Weinglas. Sauber poliert steht es nun neben dem besten Porzellanteller, den ich fand, glänzend geputztem Besteck und in der Mitte des Tisches ziert ein Geflecht aus Tannenzweigen, Kerzen, Engeln und goldenem Glockenkettchen. Fehlt nur noch die gute alte Suppentasse. Ah, da war doch noch was – die Lachssuppe! Die getrockneten Lachswürfel in den Topf, mit Wasser und Öl erhitzen, getrockneten Dill dazu und gut aufkochen. Würzen und zuletzt Milchpulver einrühren. Die Bohnenkonserve verarbeite ich gleich noch zu Salat. Welch ein Festschmaus! Mein Hund hebt nur kurz den Kopf, als er die Lachsstücke wittert, schnuppert und läßt ihn gleich wieder auf das Schafsfell sinken. Er ist absolut satt. Eine Hasenfamilie könnte jetzt neben ihm tanzen – ihnen würde nichts geschehen! Nach dem Heiligabendmahl gehen wir beide dann nochmal raus um die Sterne zu beobachten. Setzen uns auf die Bank vor dem Haus, schauen zu den Wipfeln der Weihnachtsbäume auf und lauschen einer stillen Nacht.
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