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Ich habe gerade meine Renteninformation gelesen. Wohl wissend, daß ich erst 32 bin und wir das Jahr 2009 schreiben. Am 1.11.2044 ist es dann so weit – ich bekomme meine erste Rente überwiesen. 851€. Ich höre mein Bild im Spiegel beim Zähne putzen laut sarkastisch lachen. 851€?? Was soll ich damit machen? Nur zur Erinnerung, heute verdiene ich ein paar hundert Euro über 1000. Und das reicht nicht mal um große Sprünge zu machen. Ja, na klar, ich bin ja noch jung, da stellt man andere Ansprüche! Als Rentner sieht das alles anders aus. Da läuft man eh nur noch in seiner Kleidung von vor 30 Jahren rum, die Wohnung richtet man auch nicht mehr neu ein und den Friseur braucht man nicht mehr, die Haare fallen ja eh aus; man wird eben anspruchslos. Mal ehrlich! Wissen Sie, was ich am 1.11.2044 mache, wenn ich dann immer noch in Mülheim lebe? Ich hebe meine gesamte Rente von sage und schreibe 851€ von Konto bar ab. Fahre zum nächsten Globetrotter-Store und kaufe ein dickes ultra-reißfestes und nicht dehnbares Seil. Dann fahre ich wieder nach Mülheim zurück. Und am nächsten Tag schleiche ich mich noch vor Morgengrauen auf die Mendener Brücke. Das eine Ende des Seils binde ich an die Gitterstäbe des Geländers und zwar mit einem Knoten, der hält! Das andere Seilende wickele ich mir gut verknotet um den Hals. Und dann springe ich. Vielleicht streift mich ein Kormoran mit seinen Flügeln im ersten Sonnenstrahl. Bestimmt aber ertönt der Schrei eines Graureihers bei meinem letzten Atemzug, wenn ich da so zwischen Brücke und Ruhr baumele. Aber das kann ich ja gar nicht machen, fällt mir gerade ein. Denn auch Sterben ist teuer. Wenn eine simple Beerdigung dann immer noch 1500€ kostet, dann sind das für mich 2 Monate Rente. Was soll ich also machen? Hm... Ich habs! Ich wähle den Hungertod! Ich ziehe am 1.11.2044 aus meiner Wohnung aus, spare die Miete, Licht und Heizkosten. Ich schlafe unter der Brücke und esse nichts. Heißt, ich verbrauche keinen Cent von meiner Rente. Nach 2 Monaten des Hungerns habe ich das Geld für meine Beerdigung zusammmen – und tot dürfte ich dann ja wohl auch sein. Ob das Beerdigungsinstitut mir für die paar Euros, die übrig bleiben noch ein paar Rosen mit in den Sarg gibt? Andererseits ist fraglich ob eine Beerdigung dann noch so teuer ist. Vielleicht bekommen die Bestatter Provision von der Rentenversicherung für jeden, den sie mehr unter die Erde gebracht haben. Sie werben dann in Broschüren; „Sterben sie mit 67 Jahren, Eichensarg, Blumenbukett und Begräbnis mit kleiner Trauerfeier kostenlos.“ „Sterben sie schon mit 50 Jahren, erwartet sie ein edler Sarg aus Elfenbein, 1000 bunte Orchideen auf ihrer Trauerfeier mit bis zu 100 Gästen kostenlos.“ Und ganz klein gedruckt steht hinten auf der letzten Seite der Broschüre; „Sterben mit 80 Jahren, reine Urnenbestattung 2000€ - wollen Sie wirklich so viel Geld bezahlen?“ Naja, zu einem dürfte meine üppige Rente auf jeden Fall noch reichen. Für einen warmen Kaffee im Winter und ein kleines Eis im Sommer! Wie ich mich darauf freue! Und noch etwas kann ich mir leisten; bei ebay gebraucht die DVD vom Bader-Meinhoff-Komplex. Oder kaufe ich mir den noch heute?
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